Inklusive Bildung Baden-Württemberg

Inklusive Bildung Baden-Württemberg

Die Fachschule für Sozialwesen der Johannes-Diakonie Mosbach und das Institut für Inklusive Bildung in Kiel starten ein neues Projekt: „Inklusive Bildung Baden-Württemberg“.

Wie kann Inklusion richtig realisiert werden? Auf welche Weise ist es möglich, das Verhältnis zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten neu auszurichten und das Verständnis für Menschen mit kognitiven Einschränkungen greifbarer zu machen? Mit diesen Fragen hat sich die Fachschule für Sozialwesen der Johannes-Diakonie Mosbach und das Institut für Inklusion auseinandergesetzt und ein neues Projekt aus den Angeln gehoben, die „Inklusive Bildung Baden-Württemberg“.

Selbst die engagiertesten Fach- und Führungskräfte sind oftmals unwissend, unerfahren oder unsicher, wie Inklusion erfolgreich in der Praxis umgesetzt werden kann. Deshalb werden ab Oktober 2017 sechs Menschen mit Behinderung zu Bildungsfachkräften ausgebildet. Die umfangreiche Qualifizierung findet drei Jahre in Vollzeit statt und wird von einer pädagogischen Fachkraft an der Fachschule für Sozialwesen der Johannes-Diakonie Mosbach in Neckarbischofsheim durchgeführt. Ziel ist es, Menschen mit so genannter geistiger Behinderung anzulernen, damit diese anschließend (angehenden) Lehr-, Fach- und Leitungskräften ihre Lebenswelten, spezifischen Sichtweisen und Bedarfe richtig vermitteln können. Nach dem Grundsatz „Nichts über uns ohne uns!“ sollen Menschen mit Behinderung mehr in die Ausbildung von Lehr, Fach- und Leitungskräften mit einbezogen werden und selbst zu Wort kommen. Ihre Expertise soll in Zukunft nachhaltig in den Ausbildungs- und Studiengängen integriert werden.

Dazu hat das Kooperationsprojekt auch schon die geeigneten Partner gefunden: Die Pädagogische Hochschule Heidelberg und die Evangelische Hochschule Ludwigsburg wollen das Projekt fest in ihren Studienangeboten verankern, denn „das gemeinsame Lernen von Studierenden und Menschen mit geistiger Behinderung ist eine wechselseitige Bereicherung und eine Erweiterung der Perspektiven in der Lehre“, wie Professor Dr. Vera Heyl, Prorektorin der PH Heidelberg betont. Auch Professor Jo Jerg von der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg sieht hier viele Chancen: „Menschen mit Behinderung sehen viel besser die Barrieren, die ihnen im Alltag begegnen. Für unsere Studierenden ist es daher wichtig, solche Menschen kennenzulernen.“ Mit der finanziellen Unterstützung durch die Dieter-Schwarz-Stiftung kann das Innovations-Projekt sein Vorhaben nun verwirklichen. Professor Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer der Stiftung erklärt: „An Bildung hängt unser gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Zukunft unseres Landes. Das gilt für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen.“ Bei diesem Projekt wird Bildung zur gemeinsamen Angelegenheit und Menschen mit Behinderung werden als Kompetenzträger wahrgenommen.

Dass ein solches Konzept erfolgreich funktionieren kann, wird am Beispiel der Stiftung Drachensee in Schleswig-Holstein deutlich, die ein erstes Modellprojekt dieser Art bereits beendet hat. Seit dem 1. November 2016 arbeiten fünf qualifizierte Bildungskräfte im Institut für Inklusive Bildung in Kiel, einer angegliederten Einrichtung der Christian-Albrechts-Universität. Dr. Jan Wulf-Schnabel, Geschäftsführer des Instituts, erklärte: „Bereits während der Qualifizierung haben wir in drei Jahren in 70 Veranstaltungen über 3.000 Personen direkt erreicht. Nun möchten wir unseren Erfolg teilen und bieten Baden-Württemberg unsere Erfahrungen an.“

Die fertig ausgebildeten Bildungskräfte sollen in Zukunft einen wertvollen Beitrag zur inklusiven Bildung beitragen und existenzsichere Arbeitsplätze erhalten, die gleichzeitig eine Assistenz für Menschen mit Behinderung gewährleisten. Weitere Informationen unter: http://www.johannes-diakonie.de/bildung-ausbildung/fachschule-fuer-sozialwesen/inklusive-bildung/