© Paulina Ruiz: Gruppenbild MOLIT Institut gGmbH mit den Kooperationspartnern Tumorzentrum-Heilbronn-Franken der SLK-Klininken

Ärzten des SLK-Tumorzentrums und des MOLIT Instituts gelingt richtungsweisender Behandlungserfolg

© Paulina Ruiz: Gruppenbild MOLIT Institut gGmbH mit den Kooperationspartnern Tumorzentrum-Heilbronn-Franken der SLK-Klininken

Krebsmedizinern der SLK-Klinik Heilbronn ist bei einer seltenen Form des Pankreaskarzinoms mithilfe eines zielgerichteten Therapieansatzes ein spektakulärer Behandlungserfolg gelungen. Schlüssel zum Erfolg war die genetische Charakterisierung des Tumors. Der Fallbericht wurde jetzt in der renommierten Fachzeitschrift JCO Precision Oncology veröffentlicht. „Unsere Erkenntnisse könnten weltweit richtungsweisend für die künftige Therapie dieses speziellen Tumortyps sein“, erklärt SLK-Chefonkologe und Mitgründer des MOLIT Instituts für personalisierte Medizin Prof. Uwe Martens.

Bislang orientiert sich die Therapie eines Tumors in erster Linie an dessen Entstehungsort und Histologie. Molekulare Analysen ermöglichen jetzt aber zunehmend die Identifikation genetisch verschiedener Subtypen, die zum Teil einer ganz anderen Behandlung bedürfen. Bei einer Patientin mit einer besonders aggressiven Variante des Pankreaskarzinoms, bei der die etablierten Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft waren, veranlasste Martens deshalb eine Genomanalyse – und fand Unerwartetes. „Der Tumor wies eine für das Pankreaskarzinom außergewöhnlich hohe Zahl von Genveränderungen auf“, so Martens. „Dieses Phänomen beobachten wir bei anderen Krebsarten wie dem malignen Melanom, ist beim Pankreaskarzinom aber eine absolute Rarität.“

Die Heilbronner Krebsspezialisten entschieden daraufhin, ihre Patientin mit zwei neuartigen Medikamenten zu behandeln – einem MEK- und einem Checkpoint-Inhibitor, die beide ursprünglich für den schwarzen Hautkrebs entwickelt wurden – mit außergewöhnlichem Erfolg. Der Tumor und die Metastasen in der Leber schrumpften unter der Therapie erheblich. In Kombination mit einer anschließenden chirurgischen und strahlentherapeutischen Sanierung der verbliebenen Tumorherde gilt die Patientin 2.5 Jahre nach der Erstdiagnose inzwischen sogar als potenziell geheilt. „Das ist spektakulär – denn bei dieser aggressiven Variante des Pankreaskarzinoms beträgt die Lebenserwartung normalerweise weniger als 1 Jahr“, so Martens.

Der Fallbericht wurde am 14. Juni in der renommierten US-amerikanischen Fachzeitschrift JCO Precision Oncology veröffentlicht. „Unsere richtungsweisenden Erkenntnisse mit der Fachwelt zu teilen, ist extrem wichtig“, so Martens. Denn so könnten Ärzte weltweit bei diesem seltenen Tumortyp auf die in Heilbronn gemachten Erfahrungen zurückgreifen. „Das ist angewandte Forschung, die direkt beim Patienten ankommt“, erklärt Martens.

Eine wichtige Rolle spielt vor dem Hintergrund der rasanten Wissensentwicklung in der Onkologie auch die Kooperation des Heilbronner Tumorzentrums mit dem MOLIT Institut für personalisierte Medizin. „Mittlerweile lässt sich die Fülle an molekularen und klinischen Daten, die im Rahmen einer individuellen Krebsbehandlung generiert werden, nicht mehr ohne moderne Informationstechnologie bewältigen“, berichtet Prof. Christian Fegeler, Co-Gründer des MOLIT-Instituts. Gemeinsam haben die beiden Experten im vergangenen Jahr auch ein Molekulares Tumorboard ins Leben gerufen, in dem Martens und seine Kollegen die genetischen Daten ihrer Patienten mit internen und externen Spezialisten erörtern.

Bei aller Begeisterung über die jüngsten Erfolge warnt Martens aber vor noch zu hohen Erwartungen: „Momentan können wir die Untersuchung noch nicht bei allen Patienten durchführen und wir finden nur bei rund einem Viertel aller molekulargenetisch untersuchten Tumore Ansatzpunkte für eine zielgerichtete Therapie.“ Leider erweisen sich diese auch nicht bei allen Patienten als gleich wirksam. Doch eine Lebensverlängerung um mehrere Monate bei guter Lebensqualität sei ebenfalls ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Martens ist jedoch überzeugt, dass sich die Berichte über spektakuläre Behandlungserfolge in Zukunft häufen werden: „Wir betreuen aktuell einige Patienten, die ganz hervorragend auf ihre individualisierte Therapie anzusprechen scheinen.“

Hintergrund

Das MOLIT Institut für Personalisierte Medizin ist eine 2017 gegründete Forschungseinrichtung am Wissenschaftsstandort Heilbronn. Gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern, dem Tumorzentrum Heilbronn-Franken der SLK-Kliniken und dem GECKO Institut für Medizin, Informatik und Ökonomie der Hochschule Heilbronn, verfolgt das MOLIT Institut das Ziel, Konzepte für eine anwendungsorientierte personalisierte Medizin zu entwickeln. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung innovativer, maßgeschneiderter Therapien für Krebserkrankungen und deren rasche Translation in die medizinische Regelversorgung. Die Gründer von MOLIT sind der Krebsforscher und Onkologe Prof. Uwe Martens und der Mediziner und IT-Experte Prof. Christian Fegeler. Die Finanzierung erfolgt durch die Dieter Schwarz Stiftung.

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