Selbstregulation im Bildungssystem verankern: Führende Wissenschaftler aus Harvard, London und Chapel Hill geben Politikerinnen Impulse zur praktischen Umsetzung.
Wie lernen Kinder und Jugendliche, ihre Aufmerksamkeit zu steuern, Impulse zu kontrollieren und langfristige Ziele zu verfolgen in einer Welt, die zunehmend von digitalen Reizen geprägt ist? Diese Frage steht im Zentrum der internationalen Konferenz „Selbstregulation stärken – Bildung neu ausrichten“, die am 23. und 24. März 2026 auf dem Bildungscampus Heilbronn stattfindet. Veranstaltet wird die Tagung von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der aim – Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken.
Rund 170 Teilnehmende aus Wissenschaft, Bildungspraxis und Bildungspolitik werden erwartet. Darunter sind internationale Expertinnen und Experten aus Psychologie, Bildungswissenschaft und Kinder- und Jugendmedizin. Sie diskutieren aktuelle Erkenntnisse zur Förderung von Selbstregulation und deren Bedeutung für Kindertageseinrichtungen, Schulen und Bildungspolitik. Das Ziel: Erkenntnisse aus der Wissenschaft in die Praxis bringen.
Selbstregulation als Schlüsselkompetenz für Bildung und Gesundheit
Aktuelle Forschung zeigt, dass Selbstregulationskompetenzen, also die Fähigkeit, Aufmerksamkeit zu steuern, Emotionen zu regulieren und eigene Ziele zu verfolgen, eine zentrale Voraussetzung für Bildungserfolg, psychische Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe darstellen. In einer Stellungnahme empfiehlt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina daher, die Förderung dieser Kompetenzen als Leitperspektive im deutschen Bildungssystem zu verankern.
Damit berührt das Thema weit mehr als pädagogische Fragen: Die Fähigkeit zur Selbstregulation steht in engem Zusammenhang mit der langfristigen Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und damit auch mit der Innovations- und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.
Internationale Keynotes aus Bildungsforschung, Psychologie und Medizin
Zu den Hauptrednerinnen und -rednern gehören international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:
- Prof. Jeffrey A. Greene (University of North Carolina at Chapel Hill) spricht über Selbstregulation als Grundlage für schulischen und beruflichen Erfolg.
- Prof. Stephanie M. Jones (Harvard Graduate School of Education) zeigt, wie Selbstregulation bereits in der frühen Kindheit entsteht und gefördert werden kann.
- Prof. Argyris Stringaris (University College London) beleuchtet die Rolle von Emotionsregulation für Gesundheit und soziale Integration.
- Prof. Ralph Hertwig (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung) analysiert, wie digitale Plattformen und soziale Medien Selbstregulation herausfordern.
Ergänzt werden die Keynotes durch Workshops und Diskussionen mit Forschenden und Praktikerinnen und Praktikern aus Bildungseinrichtungen und Bildungsadministration.
Bildungscampus Heilbronn stärkt Innovationen in der Bildungspraxis
Der Bildungscampus Heilbronn hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der dynamischsten Standorte für Bildung, Wissenschaft und gesellschaftlichen Dialog in Deutschland entwickelt. Möglich wird diese Entwicklung durch das langfristige Engagement der Dieter Schwarz Stiftung, die den Campus als offenen Ort für Forschung, Innovation und Bildungskooperationen gestaltet.
aim-Geschäftsführer Marco Haaf sagt: „Die Leopoldina liefert wichtige wissenschaftliche Impulse – aber sie müssen auch in Klassenzimmern und Bildungsprogrammen ankommen. Unser Ziel ist es, genau diese Brücke zu schlagen. Heilbronn bietet dafür einen idealen Ort der Vernetzung, an dem Wissenschaft, Bildungspolitik und Praxis gemeinsam daran arbeiten, Zukunftskompetenzen wie Selbstregulation bei Kindern und Jugendlichen zu stärken.“
Prof. Dr. Bettina Rockenbach, Präsidentin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, sagt: „Gute Selbstregulationskompetenzen helfen uns allen, persönliche Ziele zu erreichen und bei der Pflege sozialer Beziehungen. Wenn wir Kinder und Jugendliche darin unterstützen, ihre Kompetenzen zur Selbstregulation weiterzuentwickeln, geben wir ihnen eine wichtige Grundlage mit, die ihnen hilft, erfolgreich in der Schule zu lernen, einen Berufsabschluss zu erlangen, langfristig soziale Beziehungen aufrecht zu erhalten, mit anderen zusammenzuarbeiten oder erfolgreich zwischenmenschliche Probleme zu lösen. Die Förderung von Selbstregulationskompetenzen ist deshalb ein wichtiges Bildungsziel.“
evido. bündelt künftig Forschung zur Selbstregulation
Begleitend zur Konferenz bündelt evido. – das aim-Magazin für evidenzbasierte Bildungsforschung, Schulmanagement und pädagogische Praxis – künftig zentrale Beiträge, Interviews und Analysen zum Thema Selbstregulation. Ziel ist es, aktuelle Forschungsergebnisse langfristig für Bildungspraxis und Bildungsadministration zugänglich zu machen.
Link zum Magazin: www.evido-magazin.de